Die Animagic 2002 ist die größte Anime-Messe im deutschsprachigen Raum (lt. Veranstalterangaben auch des gesamten europäischen Raums) und sie fand von Freitag, dem 14.06.02 bis Sonntag, den 16.06.02 statt, wie jedes Jahr in Koblenz in der Rhein-Mosel-Halle. Einige der Programmpunkte wurden auch im Kurfürstlichen Schloss gegenüber der Halle abgehalten.

Der Veranstaltungsort, die Rhein-Mosel-Halle, von außen Ein Blick in die Halle selbst (hier im Bild: die Händlerräume), verteilt auf 2 Etagen.

 

 

 

 

In den Händlerräumen (im Kernstück der Rhein-Mosel-Halle) haben zahlreiche Verkäufer ihre Waren aus dem Anime-Merchandizing-Sektor feilgeboten. Die am häufigsten angebotenen Produkte waren Mangas (sowohl in deutscher Übersetzung als auch für die "Hartgesottenen" in japanischem Original), Poster, Schreibunterlagen ("Shitajiki") und Anime-Videos/-DVDs (wobei letztere am häufigsten vertreten waren). Es sei hier besonders angemerkt, dass es sowohl deutsche DVDs als auch amerikanische Import-DVDs gab (lt. Ta-kun gab es auf der letzten Animagic nur dt. ACOG-DVDs). Das Herz und auch das Portemonnaie der Merchandize-Sammler dürfte auf der Animagic allemal aufgegangen sein.
In den Videoräumen lief ein verschiedenartiges Programm, hier nur einige Auszüge aus dem Programmheft: X, Slayers, Tenchi Muyo in Love, Wedding Peach DX, Sakura Wars, Eskaflowne Kinofilm, Chobits, Bastard, Magic Knights Rayearth, Trigun, Vampirprinzessin Miyu, MahoroMatic, Love Hina, Dragon Half, Cowboy Bebob.
Auch die Mangaverlage waren natürlich auf der Animagic vertreten und hatten ihre Stände aufgebaut. Nicht nur die Platzhirsche der dt. Manga-Herausgeber, EMA und Carlsen, sondern auch die jüngeren Verlage (z. B. Planet Manga) waren vertreten und boten verlagseigene Waren an.
Im "Großen Saal" (Hauptveranstaltungsort des Messeprogramms) gab es natürlich auch eine Vielzahl an Ereignissen zu sehen. Das größte, beliebteste und am besten besuchte war der Kostümwettbewerb ("Cosplay"), der in zwei Etappen an jeweils zwei Tagen (Samstag und Sonntag) ausgetragen wurde, am Samstag wurden Einzelpersonen und Pärchen auf die Bühne gelassen (es gab insgesamt 92 Teilnehmer), am Sonntag gab es den Gruppenwettbewerb; die Siegerehrungen waren jeweils kurz nach den Wettbewerben. Auch die Platzvergabe war besonders: Es gab keine absolute Siegerwertung (also 1. Platz, 2. Platz, ...) sondern nur eine "Menge an Siegern" (es gab bei jedem Wettbewerb 15 Sieger, die aber nicht untereinander abgestuft wurden, d. h. alle 15 Siegerplätze waren gleichwertig). Persönlich hat mir dieser Kostümwettbewerb sehr gefallen, weil viele der Kostüme wirklich spitzenmäßig gemacht waren.

Des weiteren gab es noch Auftritte zahlreicher Musikgruppen, am besten kamen (meiner Meinung nach) "Miyu" an. Mit dabei waren auch noch die Gruppe "Yume" sowie die "Tsuki no Senshi". Besonderer Höhepunkt waren aber die Auftritte von Yoko Kanno, die zwei kurze Konzerte gab (sie hat u. a. die Eskaflowne-Begleitmusik komponiert).
Eine sog. "Raritätenversteigerung" am Freitag gab es auch, wenngleich man die sog. "Raritäten" mit der Lupe suchen musste und sie dann immer noch nicht richtig zu finden vermochte. Die angebotenen Objekte waren der übliche Standard, also DVDs, Kassetten, Mangas, Poster und Kleinkram. Irgend so ein Verrückter hat auch für einen 14er-Satz Poster satte 420,- € hingelegt. Was mir etwas negativ aufstieß war die Tatsache, dass hier bereits von den auf der Animagic anwesenden Ehrengästen signierte Gegenstände versteigert wurden. Fand ich diesen Gästen gegenüber dann auch nicht ganz höflich ("Heute mittag erst signiert und am Abend schon versteigert."), das hatte es beispielsweise auf der Connichi nicht gegeben (wo dieses nicht erlaubt gewesen war).
Es waren auch eine Menge Ehrengäste anwesend, darunter Shinichiro Watanabe (Regisseur von Cowboy Bebob), Yoko Kanno (Komponistin), Mahiro Maeda (Regisseur von Blue Submarine No. 6), Satoshi Shiki (Autor von Kamikaze) und natürlich mein persönlicher Favorit, Nao Yazawa (Autorin von Wedding Peach).

Nao Yazawa (rechts) während der Podiumsdiskussion (v. l. n. r.) Nao Yazawa und Satoshi Shiki


Ein paar Kritikpunkte an der diesjährigen Animagic möchte ich aber auch nicht unter den Tisch kehren:
Was sicher nicht nur mir am meisten missfallen hat, war die Tatsache, wie die Veranstalter ihre Ehrengäste an der Kandare hatten.
Besonders hat man dies bei den Signierstunden gesehen, die wörtlich zu nehmen waren, denn signieren hieß auf der Animagic wirklich nur signieren und nicht auch noch was zeichnen. Das habe ich sehr schade gefunden, weil doch einige hochkarätige Gäste anwesend waren, von denen ich äußerst gerne was gezeichnetes bekommen hätte.
Warum zeichnen nicht erlaubt war, wird wohl das Geheimnis der Veranstalter bleiben, speziell ist es mir natürlich bei Nao Yazawa aufgefallen, die ich 2 Wochen zuvor bereits in Erlangen ("Comic-Salon") getroffen hatte. Dort war von Restriktionen gegenüber den Zeichnern nichts zu spüren, ganz im Gegenteil, dort wurde fleißig gemalt. So bekam ich dort an einem einzigen Tag drei Zeichnungen von ihr (und 3 wirklich tolle, wie ich bemerken möchte), in Koblenz, wo ich alle drei Tage war, konnte ich mit Mühe und Not noch erreichen, dass sie mir wenigstens zwei (deutlich kleinerere) Zeichnungen malte, jedes Mal jedoch misstrauisch beäugt von einem "Offiziellen" der Animagic. Dererlei Aufpasserei hatte es in Erlangen nicht gegeben; im Gegensatz zur Animagic ("Nein, das kann sie nicht machen, das ist viel zu aufwändig und dauert zu lange" - Klar, gerade am Freitag waren ja grade mal knapp 20 Leutchen zum Signiertermin im Schloss erschienen und da macht sich die "Offzielle" Sorgen, die Signierstunde könne sich zu lange rausziehen...).
Das war für mich so der Hauptkritikpunkt an der Animagic, das hätte meiner Meinung nach wirklich nicht sein müssen und mit solchen Aktionen haben die Veranstalter den Anime-Fans ganz klar einen Bärendienst erwiesen. Ich hoffe, dass dies nächstes Jahr nicht mehr so sein wird (allerdings habe ich von anderen gehört, die Jahre zuvor soll es nicht anders gewesen sein). In diesem Punkt waren die Connichi und der Comic-Salon der Animagic doch weit überlegen.

Der Rest sind nur noch kleinere Kritikpunkte gewesen, die da wären:
Die Türsteher (das sog. "Sicherheitspersonal"). Ich habe keine Ahnung, unter welchem Stein sie diese geschniegelten, arroganten und unhöflichen Typen hervorgeholt haben, die sogar den ein oder anderen verkleideten Besucher dumm angemacht haben. Diese Leute sollten das nächste Jahr auf keinen Fall wieder angestellt werden!
Die liebe Technik. Grade mit dem Mikrofonen hatten sie so ihre lieben Probleme, ich sage nur "Rückkopplung"... das hat grade beim Kostümwettbewerb teilweise doch einiges von der Stimmung genommen.
Der Auktionator auf der Versteigerung am Freitag war wohl die größte Platzpatrone, die sie haben finden können. Seine Witze - so man sie denn so nennen mag - waren lahm und immer wieder die gleichen (er hat dreimal (!!!) den "Witz" über die NERV-Box (NGE) gebracht: "Und hier hätte ich noch eine nervende Box..."), außerdem hat er es geschafft, die Versteigerung rauszuzögern bis zum Gehtnichtmehr.
Die Getränkepreise waren unverschämt hoch (glücklich waren die, die sich (wie ich) von zu Hause Getränke mitgebracht hatten ^^), die Essenspreise gingen aber erstaunlicherweise (für Messeniveau gesehen).

Was mir an der Animagic am meisten gefallen hat, waren die vielen Leute, die man kennen gelernt oder wiedergesehen hat. Auch wenn das nichts direkt mit der Veranstaltung zu tun hatte, war es doch das, was ich als das positivste Erlebnis von der Animagic beschreiben würde.
Einige der Musikgruppen waren wirklich richtig gut gewesen, das hat echt Stimmung gebracht.
Der Kostümwettbewerb war wirklich toll, die Kostüme waren teilweise der Wahnsinn. Ich war jedenfalls sehr beeindruckt, was sich da einige "Cosplayer" so zusammengenäht und -gebastelt hatten.

Drei Mädchen als (v. l. n. r.) Daisy, Peach und Salvia von "Wedding Peach" verkleidet. Hier noch zwei Mädels verkleidet als (v. l. n. r.) Michiru und Haruka von "Sailor Moon S"

Ein Fazit zu ziehen fällt schwer, da es auf die persönlichen Präferenzen ankommt, daher unterteile ich wie folgt:
Für den "Sammler" (wer hauptsächlich auf Autogramm.- bzw. Zeichnungenjagd ist), sind die "kleineren" Messen wie z. B. die Connichi oder allgemeine Comic-Messen mit japanischen Gästen wie z. B. der Comic-Salon Erlangen mehr zu empfehlen als die Animagic.

Wer dagegen hauptsächlich auf der Suche nach neuen bzw. alten Kontakten zu anderen Fans ist und sich mit tonnenweise Merchandize-Artikeln eindecken will, der sollte die Animagic auf jeden Fall zum festen Bestandteil seines "Animejahres" machen, da auf den kleineren Messen doch weitaus weniger Besucher und auch Händler vertreten sind.

Abschließend möchte ich sagen, dass mir die Animagic ganz gut gefallen hat (abgesehen von den oben angesprochenen (und meiner Meinung nach gerechtfertigten) Kritikpunkten) und ich auch schauen werde, ob ich nächstes Jahr wieder hinkommen kann. 

Dennis